Projekt: Geschichte des FreiFelds
Der von Wohngebäuden geprägte Teil von Freiimfelde, um den es hier gehen soll, ist nicht einheitlich bebaut. Er teilt sich auf in einen östlichen Bereich mit zwei- und dreigeschossigen Siedlungsbauten aus den 1930er-Jahren und einen westlichen mit herrschaftlichen Gründerzeithäusern. Der Bürgerpark FreiFeld umfasst 6.000 Quadratmeter und ist eine ehemalige Industriebrache. Er liegt im westlichen Gründerzeitteil direkt vor der Schallschutzwand. Früher befand sich hier ein Holzverladeplatz der Bahn. Nach der Wende zogen viele Menschen weg, oft der Arbeit hinterher. Wer keine Arbeit fand, musste bleiben. In den 1990er-Jahren verkam das Viertel daher zunehmend. Armut, Prostitution und Drogenhandel etablierten sich. Auf der sogenannten Brache gab es lange Zeit nur Schutt, Müll und halbverfallene Baracken.
>>Freiimfelde war auf jeden Fall kein Quartier, bei dem du dir als Mutter denkst: Och, könnte ganz nett werden<«<, fasst Christiane Lütgert von der Stadt Halle die Lage zusammen. Sie und ihr Mann fanden ihre erste gemeinsame Wohnung in Freiimfelde, zogen aber nach der Geburt des ersten Kindes wieder fort. Der Abstieg des Viertels erreichte seinen Tiefpunkt etwa 2010. Damals galt es als das Stadtviertel Deutschlands mit den meisten freien Wohnungen – mit bis zu 50 % Leerstand in einzelnen Straßen, und dann »>kam 2012 die Freiraumgalerie.<< Das Kollektiv startete seine Urban-Art-Festivalreihe >>All You Can Paint<<. Die Veranstaltungen und Wandbilder zogen viel Aufmerksamkeit auf den Stadtteil und sorgten innerhalb des Viertels für Aufbruchstimmung. Der Veränderungsprozess, der damals begann, dauert noch heute an – er wurde und wird durch viel nachbarschaftliches Engagement getragen.

»Freiimfelde war auf jeden Fall kein Quartier, bei dem du dir als Mutter denkst: Och, könnte ganz nett werden«
Christiane Lütgert von der Stadt Halle
Auch die Geschichte des FreiFelds ist untrennbar mit der Freiraumgalerie verbunden. Im Rahmen der von der Freiraumgalerie organisierten All You Can Paint-Festivals nutzten die Künstler:innen auch das Gelände an der Landsberger Straße für Kunstprojekte und als Versammlungsort. Die Industriebrache lag voller Schutt, die Gebäude waren heruntergekommen und verdreckt, Müll und Unrat überall, aber auch alte Bäume, wild wachsende Sträucher und wucherndes Grün. Gleichzeitig zu den Festivals verschafften sich auch Anwohner:innen Zugang zum Gelände und eigneten es sich Stück für Stück an. Eine Mischung aus Abenteuerlust und der Wunsch nach ein wenig Grün im Alltag trieb sie an.


